In Arbeit. Dokumentarfilm. D/ES 2023. HD

Als Ausgangspunkt meines Filmprojektes dient eine Militärfestung auf Mallorca – Fortí de Illetes –, die während der Diktatur von Francisco Franco ein Gefängnis und ein Ort von Hinrichtungen war und heute ein möglicher Gedenkort ist; jedoch zerfällt und leer steht. Ich untersuche in diesem künstlerischen Forschungsprojekt, wie die essayistische Verfahrensweise Erinnerung auf eine multiperspektivische Weise sicht- und fühlbar machen kann und dadurch eine selbstreflexive Filmwahrnehmung sowie ein diskursives Gedenken ermöglicht. Der filmische Essay ist eine künstlerische Form, die über Grenzen geht und schwer mit herkömmlichen Gattungsbeschreibungen zu fassen ist. „Dabei steigt er oft in die historische Zeit zurück, vergräbt sich in individuelle und kollektive Erinnerungen und konfrontiert sich mit schlummerndem Leid.“ (Michaela Ott, „Essayfilmen heisst leben lernen.“ 2011)

Authentische Orte und Zeitzeug*innen sind bedeutsame Quellen für die Aufarbeitung von geschichtlichen Ereignissen. Gleichzeitig werfen Veränderungen in der Gesellschaft und gesellschaftliche Diskurse neue Fragen in Bezug auf Erinnerung auf. Insbesondere die spanische Erinnerungskultur ist geprägt von einem bis heute anhaltenden, dröhnenden Schweigen, während viele Aktivist*innen der Aufarbeitung auf die, in der Außensicht gelungene Erinnerungskultur Deutschlands blicken. Die Fragestellungen an den konkreten Ort und die historischen sowie gegenwärtigen Verflechtungen betten sich in universelle Fragen an das Gedenken und die Erinnerungskulturen Europas beziehungsweise Spaniens und Deutschlands ein, die sich vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen, Migration und Diskursen um (Post-) Kolonialismus verändern und entwickeln.